WEINTIPP DES MONATS

Klar. Wein ist Geschmackssache. Aber es gibt Grenzen. Klare Grenzen.
Es gibt Tropfen, rot wie weiße, um die machen Oenologen einen Bogen.
Weine, die sich zum Heranwachsen ein schattiges Plätzchen am Nordhang gesucht haben, ganz unten am Rebstock.
Weine, die viele Köche verwenden, wenn sie den Brei ordentlich verderben wollen.
Weine, die trotzdem in den Verkauf gelangen.
Weine für die gilt, Bier auf Wein, das wird die letzte Rettung sein.
Ich möchte Ihnen hier solche Weine in loser Reihenfolge vorstellen.

Mein aktueller Tipp:

  WEINTIPP DES MONATS

Cape Colours, Garnet red

Mein aktueller Tipp:

Cape Colours 12,5%
Garnet Red blended red wine 2008
South Africa

2.99 € im gut sortierten Supermarkt

Seit einiger Zeit gilt der Südzipfel des schwarzen Kontinents Weinkennern als Geheimtipp.
Gute Böden und günstige klimatische Voraussetzungen lassen Freunde edler Tropfen gar vom „Kap der guten Weine“ sprechen.
Das mit der Apartheid ist auch lange genug vorbei, warum also nicht einmal zu einem Fläschchen aus Südafrika greifen?

Es beginnt mit einer Lüge: „Garnet Red“ steht auf dem Etikett, aus der Flasche ergießt sich dennoch blutroter Rebensaft. Also „sehr wohl Red“.
Was dann folgt ist schwer zu beschreiben.
Perlend ergießt sich eine durchaus weinrote Flüssigkeit ins Glas mit einer Nase von Lambrusco.
Gut, mag man sich hier noch trösten, manchmal sind es ja gerade die bizarren Aromen, die einem Wein das gewisse etwas geben. Doch hier sind sie selbst dem hartgesottenen Teenieparty- Gänger zu absonderlich.
Balsamisch, chemisch, animalisch - alles ist drin, Kerze neben Teer, Schweiß neben Katzenurin und Kuhstall.
Nase zuhalten, schluck und weg, wenigstens die 12,5% versprechen noch etwas Vergnügen wird man einwenden.
Wenn aber bereits beim ersten Gaumenkontakt klar ist, der beschert mir morgen einen fröhlichen Tag mit dem Kater, werden 12,5% schnell zur trüben Aussicht.

Mein Weinhändler hat eine Kiste im Laden, in der er einzelne Flaschen, denen er nicht mehr traut, pauschal als Kochwein für zwei Mark anbietet.
Da käme der Garnet Red auf keinen Fall hinein. „Kochwein“ wäre hier der Imperativ: „Koch wein’!“.
Ein völlig sinnloses Produkt also?
Nein.
Als„Kapstädter Bauernfünfer“ könnte er in der Waschmittelwerbung hartnäckige Flecken erzeugen und gegen den weißen Riesen antreten.
Das muss auch jemand machen.


 

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